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Kurz und würzig - Teil 2: Angelika Kauffmann

Angelika Kauffmann, Selbstporträt mit Büste der Minerva, um 1790, Bündner Kunstmuseum, Chur (CH).

Eine Frau! Als Malerin! Im 18. Jahrhundert! In keinster Weise war das der Regelfall. Kauffmann ist eine Ausnahmeerscheinung. Sie war eine äußerst beliebte Porträtmalerin vor allem in Italien, wo sie seit 1760 in wechselnden Orten lebte. Ihr Vater, der Maler Joseph Johann Kauffmann war die meiste Zeit an ihrer Seite. Er hatte sie in die Malkunst eingewiesen.

Ihr (im späteren Werk aufscheinender) klassizistischer Stil (in ihrem obigen Selbstporträt toll erkennbar an der Büste der römischen Göttin Minerva) war bei den Zeitgenossen und -genossinnen geschätzt und gerühmt. Auch berühmte Persönlichkeiten, wie der Begründer der modernen Kunstwissenschaft Johann Joachim Winckelmann ließen sich von ihr porträtieren.  Sogar der große Dichter und Denker Goethe gehört zum Fankreis der Malerin.

Angelika Kauffmann, Johan Joachim Winckelmann, 1764, Kunsthaus Zürich.
Ab 1766 hielten sich Kauffmann und ihr Vater in London auf. Im Jahre 1768 gelang ihr neben einer anderen Malerin (Mary Moser) der Coup: Sie wurde zu einem der 34 (sonst nur männlichen) vom englischen König George III. ernannten Gründungsmitglieder der Royal Academy. Diese ist bis heute eine führende Kunstinstitution Europas.

Trotzdem blieb Angelika nicht in England, sondern kehrte mit Vater und Ehemann nach Rom zurück, wo sie 1807 auch verstarb. Eine Büste von ihr findet sich seither im Pantheon in der italienischen Hauptstadt.

Angelika Kauffmann wurde nicht durch Beziehungen oder Heiratsarrangements, sondern aus eigenen Stücken, aufgrund ihres Talents und ihrer Intelligenz zu einer geachteten Malerin in der großen Kunstmetropole Rom, die bevölkert war mit männlichen Künstlerkollegen. Ihr feiner Malstil und ihr geschulter Blick, der großartig die Eigenarten und Empfindungen der ihr gegenüber Sitzenden wiedergab, lässt bis heute die Herzen der BetrachterInnen ihrer Gemälde höher schlagen.

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